Rechtschreiben digital

Promotionsprojekt

In meinem Promotionsprojekt „Digitale Rechtschreibhilfen im Deutschunterricht der Primarstufe“ geht es um die Nutzung digitaler Rechtschreibhilfen für die Rechtschreibkorrektur von selbstverfassten Texten.

Digitale Rechtschreibhilfen können beim Schreiben und Überarbeiten eigener Texte – vor allem während der Rechtschreibkorrektur – Feedback zu konkreten Rechtschreibfehlern geben. Zentral dabei ist, dass Lernende mit digitalen Rechtschreibhilfen interagieren müssen – also lernen, orthographische Strukturen sowie Korrekturvorschläge zu hinterfragen und diese auf die Sinnhaftigkeit in Bezug zu ihrem eigenen Text zu überprüfen (vgl. Berndt, 2001). In den Bildungsstandards des Faches Deutsch in der Primarstufe wird bereits explizit auf die Arbeit mit digitalen Rechtschreibhilfen wie Korrekturprogrammen und Wörterbüchern hingewiesen (vgl. KMK, 2022a, 14; KMK, 2022b, 23). Wie eine didaktische Implementierung digitaler Rechtschreibhilfen in den Unterricht aussehen kann, zeigen jedoch lediglich erste Best-Practice-Beispiele (vgl. Neff, 2021). Voraussetzung für den nachhaltigen Einsatz digitaler Rechtschreibhilfen in den Deutschunterricht ist eine didaktische Implementierung, die sich auf evidenzbasierte Erkenntnisse stützt.

Diesen beschriebenen Desideraten wird im Rahmen der empirischen Interventionsstudie begegnet. Ziel des Projekts ist es, verschiedene Fördermaßnahmen zur Interaktion mit digitalen Rechtschreibhilfen zu entwickeln und in Hinblick auf ihre Wirksamkeit zu evaluieren. Diese unterschiedlichen Fördermaßnahmen werden in Form von drei interaktiven Lernpfaden realisiert. Die drei Lernpfade unterscheiden sich in ihrer didaktischen Konzeption: Der erste Lernpfad umfasst ein explizites Tooltraining konkret zum Umgang mit den digitalen Rechtschreibhilfen. Im zweiten Lernpfad erhalten die Kinder ein explizites Rechtschreibtraining zu verschiedenen Rechtschreibphänomenen. Der dritte Lernpfad kombiniert diese zwei Schwerpunkte und beinhaltet ein Kombinationstraining aus Tool- und Rechtschreibtraining.

Zur Evaluation der Wirksamkeit der drei Lernpfade verfassen und revidieren die Schülerinnen und Schüler selbstverfassten Texte zu einer profilierten Schreibaufgabe (vgl. Bachmann & Becker-Mrotzek, 2010) in einem Pre-Posttest-Design – unter Verwendung der digitalen Rechtschreibhilfen. Die Daten für die Studie werden im Feld – also im Deutschunterricht – erhoben, wobei drei Klassen pro Interventionsgruppe jeweils in Doppelstunden an der Erhebung teilnehmen.

Um die Wirksamkeit der Fördermaßnahmen zu untersuchen, werden methodisch vorwiegend quantitative Erhebungs- und Auswertungsverfahren eingesetzt, vereinzelte qualitative Elemente sollen diese Erkenntnisse ergänzen (Mixed-Method-Design). Für die quantitative Auswertung werden in Prä- und Posttest die Textqualität, Rechtschreibleistung und Korrekturrate sowie eine Fremdtextkorrektur herangezogen.

Für die qualitative Auswertung wird nicht nur die Fehleranzahl, sondern auch die Fehlerart in den eigenen Texten im Rahmen einer qualitativen Fehleranalyse untersucht. Zusätzlich liefern Screencasts weitere Erkenntnisse zur Nutzung der digitalen Rechtschreibhilfen in Pre- und Posttest sowie zur Bearbeitung der Lernpfade. Ein Fragebogen zu weiteren Facetten der Rechtschreibkompetenz vervollständigen die qualitative Auswertung.  Um die externe Validität der Studie zu erhöhen, werden mögliche (personenbezogene) Störvariablen erhoben und kontrolliert.

Alle Materialien des Projekts werden nach Beendigung kostenlos und freizugänglich als OER-Materialien unter einer freien Lizenz zur Verfügung gestellt.